Vivien Leigh – Ein Leben für Bühne & Film Teil I

Vivien Leigh – Ein Leben für Bühne & Film Teil I

Diese kleine Beitragsreihe ist einer meiner liebsten Schauspieler:innen gewidmet: Vivien Leigh.

Triggerwarnung: Psychische Störung, Beschreibung von Krieg, Rassismus im geschichtlichen Kontext
Die im Blogbeitrag beschriebene Symptome dienen in keiner Weise der Selbstdiagnose.

Geburt & Anfänge

Vivien Leigh war eine Ausnahmekünstlerin und eine der talentiertesten Schauspielerin des 20. Jahrhundert.
Wie kaum eine andere vermochte sie es in ihren Rollen so zu brillieren.
Doch ein Leben im Licht der Scheinwerfer ist kein Garant für ein vollkommenes Leben.
Für ihr Können hat sie einen hohen Preis bezahlt –  den ihrer Gesundheit und letztlich ihr Leben.

Vivien Leigh wurde am 5. November 1913 als Vivian Mary Hartley in Darjeeling, Britisch Indien geboren. 1920 kehrten die Eltern mit ihr nach England zurück, wo sie ein katholisches Mädcheninternat besuchen musste.
Diese erste recht traumatische Erfahrung im Convent sollte leider nicht die Letzte sein. Leighs Eltern kehrten nämlich nach Indien zurück und ließen ihre Tochter als jüngste Schülerin im Internat 8 Jahre allein in England zurück. Schon zu Internatszeiten interessierte sich Vivien für das Schauspiel und fing daraufhin im Alter von 18 Jahren an, an der Royal Academy of Dramatic Art zu studieren. Mit 19 heiratete Sie den Anwalt Herbert Leigh Holman. Das Hausfrauen-Dasein hatte sie jedoch schnell satt und widmete sich darauf hin wieder ihrer Karriere am Theater. Ihr Mann war jedoch kein Freund der darstellenden Kunst und so brauchte es ein wenig Durchsetzungsvermögen. 1933 kam ihre gemeinsame Tochter Suzanne zur Welt.

Schwarz-Weiß Bild von Vivien Leigh und Laurence Olivier in ihrem ersten gemeinsamen Film "Fire over England" aus dem Jahr 1937.

Vivien Leigh mit Laurence Olivier im Film „Fire over England“ aus dem Jahr 1937.

Bevor Vivien Leigh die begehrteste Rolle Hollywoods erhielt, spielte sie erst einmal ein paar Jahre Theater in London. Dort als verheiratete Frau mit einem Kind verliebte sie sich Hals über Kopf in den wohl talentiertesten Nachwuchsschauspieler seiner Zeit. Niemand geringerer als Laurence Olivier, von seinen Freunden Larry genannt, wurde zu Viviens Traummann. Ihr Traum wurde Wirklichkeit, als sie 1937 neben Olivier die Hauptrolle in „Fire over England-dt. Feuer über England“ bekam. Beide begannen am Set eine heimliche Liaison.

 

 

Gone with the Wind – Vom Winde verweht

Die Liaison der Beiden nahm fahrt auf. Der Fakt, dass beide verheiratet waren, hielt sie jedoch nicht auf, die Sehnsucht der Liebenden war stärker. Sie mussten sich heimlich treffen und so wollte es der Zufall, dass Vivien „ihrem“ Larry nach Los Angeles folgte, wo Regisseur George Cukor verzweifelt auf der Suche nach einer geeigneten Schauspielerin für die Rolle der Scarlett O’Hara war.
Die Suche nach der geeigneten Schauspielerin erwies sich mehr als schwierig. Rund 1400 Frauen sprachen vor, um die wohl begehrteste Rolle des goldenen Hollywoods zu bekommen. Doch keine war geeignet, die Dreharbeiten jedoch im Verzug. So begannen die Dreharbeiten ohne  Hauptdarstellerin mit der Aufzeichnung des in Flammen stehenden Atlanta. Eine der beeindruckendsten Szenen des Films.
Es war schließlich der Bruder des Produzenten David O. Selznick, der Vivien Leigh entdeckte, die zusammen mit Olivier das Set des Films besuchte. Selznick war angetan von der in Amerika noch völlig unbekannten, jungen und sehr hübschen Schauspielerin. Er ließ sie vorsprechen.
Im Januar 1939 unterschrieb Vivien Leigh den Vertrag. Durch die Rolle der hochnäsigen, zickigen und verwöhnten Südstaaten-Schönheit Scarlett O’Hara, erlangte Vivien Weltruhm. So gewann sie im Jahr darauf, als erste Britin überhaupt, einen der begehrten Academy Awards für Ihre Rolle der Scarlett. Die Rolle der Scarlett saß Vivien Leigh jedoch ein Leben lang im Nacken, viel zu oft wurde Sie nur auf ihre Schönheit reduziert.

Mit ihrem kometenhaftem Aufstieg zu einer der gefragtesten Schauspieler:innen kamen auch Neider und Gerüchte zutage. Vivien wurde vorgeworfen sich am Set von „Gone with the Wind – dt. Vom Winde verweht“ schrecklich benommen zuhaben. Sie solle ihre Kolleg:innen angeschrien haben. Berichten zufolge hatten Mitarbeiter:innen am Set Angst vor ihr. Auch Jahre später wird ihr immer wieder vorgeworfen eine Nymphomanin zu sein.

Tatsächlich sind diese Gefühlsausbrüche und das „überaktive Sexleben“ auf ihre Manische Depression (ab den 1970er Jahren Bipolare Störung genannt) zurückzuführen. Diese psychische Störung wird meist durch vermehrten Stress und manchmal durch Schlafstörungen ausgelöst.

In Leighs Fall wird dies jedoch übereinstimmen, denn während der Dreharbeiten wurde sie um 3:30 Uhr geweckt, um ab 5 Uhr morgens vor der Kamera zu stehen.
16 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche, für 6 Monate war Leigh quasi Scarlett O’Hara.
Zeit ihres Lebens wird Vivien mit dieser chronischen Krankheit zu tun haben. Eine Bipolare Störung äußert sich durch Phasen extremer Stimmungsschwankungen. Betroffene schwanken zwischen Episoden aus euphorischer Manie und lähmender Depression.

Doch nicht nur für Vivien Leigh waren die Dreharbeiten zu „Gone with the Wind“ strapazierend. Erschwerend für die gesamte Produktion kam noch hinzu, dass Regisseur George Cukor ausgetauscht wurde, da er angeblich Clark Gable sexuell belästigt haben soll. Cukor war offen homosexuell. Eine Tatsache die im goldenen Hollywood nicht jedem gefallen hat. Cukor wurde durch Victor Fleming ersetzt, der unter anderem den Hollywood Klassikers „The Wizard of Oz – dt. Der Zauberer von Oz“ verfilmte.

Vivien Leigh als Scarlett OHara mit Kolleg:innen und dem Produzenten am Set des Films "Gone with the Wind"

Schwarz-Weiß Bild der Schauspieler Vivien Leigh und Clark Gable am Set von „Gone with the Wind“

Auch heute noch ist „Gone with the Wind“ mehr als umstritten. So zeigt der Film eine überzeichnete Darstellung des Nordens, eine nostalgische Sicht auf die Südstaaten und eine idealisierte Sichtweise auf die Versklavung der Afro-Amerikaner:innen. Doch so kritisch man „Gone with the Wind“  betrachten sollte, umso faszinierender ist die Rolle der Scarlett O’Hara.
Scarlett ist der Inbegriff des stereotypen Südstaaten-Mädchens. Beinahe zwanghaft tut sie alles, um dem Elend und dem Hunger des Kriegs zu entgehen. Sie scheut auch nicht vor Gewalt zurück. Es ist das Zusammenspiel der einzelnen Charaktere und auch die Entwicklung von Scarletts Persönlichkeit, die die Verfilmung des Klassikers von Margaret Mitchell so beeindruckend machen.

Scarlett verliert durch den Krieg nicht nur ihr Anwesen an die Yankees (Bürger der Nordstaaten) sondern auch ihren ersten Ehemann, sowie ihr Hab und Gut. Sie schwört alles in ihrer Macht stehende zutun, um zu alten Ruhm zurückzukehren. Scarlett O’Hara schafft es trotz der schwierigen Lebensumstände ihr altes Leben wieder zu erlagen. Besonders tragisch ist auch die Liebesbeziehung zwischen Scarlett und dem gut aussehenden Captain Rhett Butler.
Scarlett als emanzipierte weiße, privilegierte Frau steht im starken Kontrast zu dem eitlen, reichen Jungesellen Rhett Butler. Dieser schwärmte bereits vor dem Krieg von Scarlett, doch Sie hatte immer nur Augen für einen anderen Mann. So ist ihre spätere Beziehung von Missgunst und Eifersucht geprägt, an der beide jedoch am Ende zerbrechen. Man könnte die Beziehung der beiden als Hassliebe beschreiben. Ganz gleich wie verbissen und uneinsichtig beide sind, umso stärker ist die Anziehung, die beide miteinander verbindet.
Für mich eine der schönes cineastischen Liebesbeziehungen die es je gab.
Eine tolle Möglichkeit den Film zu schauen bietet wie immer der Vöbb.
Hier könnt ihr den Film mit eurem Bibliotheksausweis ausleihen.

Nicht außer acht lassen sollte man jedoch, dass die idealisierte Sichtweise auf die Versklavung sowie der Gebrauch des „N-Worts“  absolut falsch und  kritisch zu betrachten sind. Durchaus ist der Film mit kritischem Auge zu sehen, man kommt jedoch nicht umhin, ihn für seine einmalige Szenerie und das großartige Schauspiel zu bewundern.

 

Schwarz-Weiß Bild von Vivien Leigh mit dem Produzenten David O. Selznick am Abend der Verleihung der Academy Awards

Vivien Leigh mit David O. Selznick bei den Academy Awards

Aufgrund der damals vorherrschenden Rassentrennung wurden anfänglich die Schwarzen Schauspieler:innen nicht zur Verleihung der Academy Awards eingeladen, erst als der Schauspieler Clark Gable (Rolle des Rhett Butler) drohte der Verleihung fernzubleiben, lenkten die Veranstalter:innen ein.
Die Schauspielerin Hattie McDaniel gewann als erste Schwarze Amerikanerin überhaupt einen Academy Award, musste jedoch wegen der damals herrschenden Rassentrennung an einem anderen Tisch sitzen, in der hinteren Ecke des Raums.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.