Ein Kühlschrank in der Bibliothek – Lebensmittelrettung in der Heinrich-Böll-Bibliothek –

Ein Kühlschrank in der Bibliothek – Lebensmittelrettung in der Heinrich-Böll-Bibliothek –

Foto: Verbraucherzentrale Berlin / Henning Kunz

 

Jedes dritte Lebensmittel landet laut Welternährungsorganisation ungenutzt in der Tonne, obwohl eine Vielzahl davon noch verzehrfähig wäre. Im Rahmen der Kampagne „Berlin is(s)t klimafreundlich“ kooperiert die Heinrich-Böll-Bibliothek Pankow nun mit der Verbraucherzentrale Berlin für ein Modellprojekt zur Eindämmung der Lebensmittelverschwendung in öffentlichen Einrichtungen.

Ausgestattet mit einem Kühlschrank und einem weiteren Schrank für Trockenware ist die Bibliothek seit Juni 2021 nun eine öffentliche Lebensmittel-Verteilstation. Lebensmittelretter oder Nachbarn können Spenden an die geschulten Mitarbeiter*innen der Bibliothek überreichen, welche die Lebensmittel prüfen und in die Abgabevorrichtung legen. Dabei muss jede spendende Person, z. B. über den Bibliotheksausweis, erfasst werden. Anschließend sind die Lebensmittel für alle Besucher*innen zur kostenlosen Mitnahme zugänglich. Auf diese Weise können viele Lebensmittel noch verwendet – statt verschwendet – werden.

Allein in Berlin gibt es neben der Tafel bereits rund 10.000 aktive Lebensmittelretter*innen, welche über die foodsharing-Initiative bei verschiedenen Supermärkten, Bäckereien oder Gastronomiebetrieben überschüssige und übriggebliebene Lebensmittel abholen und sich so gegen die Lebensmittelverschwendung engagieren. Die Mengen sind je nach Betrieb unterschiedlich groß und werden dann beispielsweise an Notunterkünfte gespendet oder in organisierten foodsharing-Treffen verteilt. Am meisten werden dabei Obst, Gemüse und Backwaren gerettet, manchmal ist aber auch Kühlware darunter wie z. B. Milchprodukte. Diese sind bei Einhaltung der Kühlung und ungeöffnet auch bei überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum meist noch Tage bis Wochen über dieses Datum hinaus genießbar. Sehr leicht verderbliche Lebensmittel hingegen, die nach kurzer Zeit eine unmittelbare Gesundheitsgefahr darstellen können und mit einem Verbrauchsdatum gekennzeichnet sind, werden nach Überschreitung nicht mehr geteilt.

Die geretteten Lebensmittel können also nun auch in der Verteilstation gelagert werden und die Besucher*innen gleichermaßen zu Lebensmittelretter*innen werden lassen. Ein rege frequentierter Ort für Menschen jeden Alters, unabhängig von Status und Herkunft wie eine Bibliothek, ist der perfekte Ort, um Lebensmittel zu verteilen und die enorme Lebensmittelverschwendung sichtbar zu machen. Gleichzeitig können Menschen mit geringem Einkommen davon profitieren. Mit der Einhaltung bestimmter lebensmittelrechtlicher Anforderungen und in Zusammenarbeit mit der bezirklichen Lebensmittelaufsicht wird das Konzept nun in der Praxis getestet. Anschließend soll es interessierten Nachahmern zur Verfügung gestellt werden.

Mit diesem Kooperationsprojekt ist die Heinrich-Böll-Bibliothek ein weiteres Mal Vorreiter im Engagement für Nachhaltigkeit und Klimaschutz im öffentlichen Raum, denn Lebensmittelretten spart Ressourcen und macht Berlin ein Stück klimafreundlicher.

 

Eva Katharina Hage (Verbraucherschutzzentrale Berlin)

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